Mit Wettkampf-Pasta und Stricknadel auf Erfolge aus

GLÜCKSBRINGER: Eisbär, Tanzbär oder ein Plüsch-Oskar, beim Tanzen stehen Maskottchen hoch im Kurs. Beim Tanz-Club Rot-Weiß Kaiserslautern weiß man zudem Tortellini als Glücksbringer zu schätzen. Vieles davon ist durch Zufall entstanden und scheint tatsächlich Glück zu bringen.

Das Kleid in voller Pracht, der Frack samt Hemd gestärkt, die Schminke aufgetragen, die Haare gelegt, die Schuhe poliert und die Sohle akribisch aufgeraut. Noch schnell ein Blick zur Konkurrenz. Im Bauch kribbelt’s. Tief durchatmen, die Hand des Partners gibt Halt. Beim ersten Takt der Musik legen die Füße wie befreit los, das Tanzturnier beginnt. Augenblicke voller Glück, die mit jeder durchtanzten Runde größer werden.
Diese Gefühlslage samt der sportlichen Leistung liegt für Turniertänzer nun schon arg lange zurück. Tanzturniere gibt es seit einem Jahr keine mehr, das mit dem Training plätschert gerade mal online – wenn überhaupt – vor sich hin. Ein Trauerspiel. Da löst selbst die Frage nach einem Talisman bei den Tanzpaaren fast ein bisschen Wehmut aus

Plüschiges Maskottchen
Doch klar, da war doch was, da wartet doch so ein Glücksbringer gemeinsam mit seinen Tanzpaaren auf bessere Zeiten, auf Tanzturniere eben. Sowie bei Nicole Maue und Alexander Elbe. Die beiden, in normalen Zeiten als Standard-Tanzpaar in der Klasse A II Senioren am Start, gehen nie ohne plüschige Begleitung aufs Turnier. Das Maskottchen begleitet das Tanzpaar bereits die gesamte gemeinsame Turnierzeit. Die war eigentlich gar nicht so vorgesehen. „Als wir 2013 beide ohne Tanzpartner waren, haben wir mehr oder weniger „zum Spaß“ angefangen, gemeinsam zu trainieren“, erzählt Nicole Maue, dass sie und Alexander Elbe, seines Zeichens auch Vereinsvorsitzender, sich seit gut 30 Jahren kennen. Aber zusammen Turniere tanzen? „Da uns knapp 30 Zentimeter Körpergrößenunterschied trennen, dachten wir zuerst nicht an gemeinsame Turnierstarts“, erinnert sich Maue. Es kam anders, das gemeinsame Trainingstanzen harmonierte gut, Turniere wurden gemeldet, die Erfolge blieben nicht aus. Ob das nun am fleißigen Training oder vielleicht doch am Maskottchen liegt? Wer weiß. Jedenfalls gesellte sich der Stoffhund vor dem ersten gemeinsamen Turnierstart als Geschenk von Freunden zu dem Tanzpaar dazu und ist geblieben. „Seither wohnt ,Oskar’,wie wir den kleinen Stoffhund getauft haben, bei mir zu Hause und begleitet Alexander und mich regelmäßig zu den Turnieren, wo er am Flächenrandsitzen darf“, gibt Nicole Maue Einblicke in das Leben von „Oskar“.
Geschenkte Glücksbringer scheinen gute Dienste zu leisten. Jedenfalls begleitet ein Stoffeisbär seit bald sechs Jahren Elissa Meier (14) und ihren Tanzpartner Leonard Moser (15) von Turnier zu Turnier. Der Bär wurde ihnen von ihrer Trainerin Alina Bielfeld vor dem ersten Turnier geschenkt. Inzwischen tanzt das Lateinpaar in der B-Klasse der Junioren.

Wettkampf-Pasta
Beim Ehepaar Petra Albrecht und Oliver Schmitt (Vize-Vereinsvorsitzender) wird sich mit einem leckeren Nudelgericht rituell auf das Turnier eingestimmt. Ohne Tortellini mit Tomatensoße vorm Turnier läuft da nichts. „Die Wettkampf-Pasta hat sich in den letzten Jahren bei meiner Frau und mir mehr und mehr als Vorbereitungssnack für Turniere etabliert“,berichtet Oliver Schmitt davon, wie der Kohlenhydratspeicher dank des Rituals gut gefüllt wird. Der Snack, wie Schmitt es nennt, passe gut zwischen Turnierstyling, Schuhe bürsten, das Verstauen von Turnierkleid und Frack, bevor es dann los zum Turnierort geht. Muss funktionieren, das Tanzpaar tanzt seit Jahren in der höchsten Amateurklasse S. Durch Corona ist aus der Wettkampf-Pasta derzeit eine „Homeoffice-Pasta“ geworden. Schmeckt zwar immer noch gut, die beiden hoffen aber, dass bald wieder die Wettkampf-Pasta zum Einsatz kommt.

Stricknadeln klappern lassen
Wenn es dann endlich wieder mit den Turnieren losgeht, dann sitzt sicherlich in der ein oder anderen Turniertasche auch das neue Vereinsmaskottchen des TC Rot-Weiß Kaiserslautern. Eine Challenge unter den jüngeren Mitgliedern hat den kleinen Tanzbären, entworfen von der jungen Tänzerin Lara-Sophie Vitt, als Sieger hervorgebracht. Aus dem Entwurf ist mittlerweile sogar ein gestrickter Tanzbär geworden. Emilia Cioroaica, eine Tänzerin der Standardgruppe der Erwachsenen, hat die tanzfreie Zeit genutzt, die Füße still gehalten und dafür mit den Fingern gekonnt die Stricknadeln klappern lassen.

Quelle: Rheinpfalz – 10.05.2021
Bericht: Doris Theato

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